Berufspendler – Top 5 Momente

Als Berufspendler erlebe ich tagtäglich schöne, lustige und total bescheuerte Situationen mit netten, höflichen, dummen und besoffenen Menschen. Hier meine persönliche Top 5:

5. Besoffen, aber glücklich

Wir schreiben das Jahr… egal, irgendwas zwischen 2013 und 2020. Es ist Feierabend (meistens so zwischen 16 und 17 Uhr). Man steigt in den Zug ein und ein Schwall von alkoholischen Ausdünstungen schwebt einem entgegen. Mit einem schweifenden Blick von links nach rechts kann man recht schnell den Quell dieser Gerüche erkennen. Es sind zwei Arbeiter, die nach einem harten, langen und schweißtreibendem Tag die 1.,2.,3. oder sogar 10. Flasche Bier öffnen und sich genüsslich zuprosten (hatte ich gesagt, dass es auch „leicht“ nach Schweiß roch?).

Mein Fazit: Jeder, wie er meint… wenigstens sind sie friedlich. Bei Kindern in der Nähe würde ich aber vielleicht die Flasche wegstecken…

4. Kopfhörer sind toll!

Es ist ein schöner, warmer und freundlicher Sommertag. In der S-Bahn sind es 30 oder vielleicht sogar 50 Grad Celsius. Alle Passagiere sind gut gelaunt und wünschen sich noch ein wenig mehr „Happy-Bahn-Time“. Im Vierer-Sitz mir gegenüber sitzt ein Mann mit Handy in der Hand (nicht, dass das was Besonderes wäre…). Zusätzlich hat er seine Kopfhörer in den Ohren (ja, diese sind sogar eingesteckt am Handy). Viele meiner Mitinsassen werfen diesem Mann schon etwas genervte Blicke zu. Mich amüsiert es tatsächlich sehr. Was macht dieser Mann, dass alle genervt vom ihm sind?

Ganz einfach: Er probiert seine total leisen, angenehm und stilvoll klingenden KLINGELTÖNE von seinem neuen Smartphone aus! „Scheinbar“ hat ihm jemand vergessen zu sagen, dass diese Klingeltöne NICHT über die Kopfhörer wiedergegeben werden! Er beschallt sagenhafte 15 Minuten (geschätzt) den gesamten Waggon und merkt es nicht einmal!

Mein Fazit: Glücklicherweise gibt es nette Menschen, die einen auf seine Fehler hinweisen. Nach mehreren Versuchen ihm zu signalisieren, dass er doch seine Kopfhörer mal rausnehmen solle, verstummten die Klingeltöne und es war nur noch das Rauschen der vor sich hinfahrenden S-Bahn zu hören. Ein wunderbares Geräusch!

3. Schubladendenken ist scheiße

Seit vielen Jahren fahre ich immer wieder mit der selben S-Bahn nach Hause. Meinem Beispiel folgen sehr viele andere Pendler und daher sieht man immer wieder die selben Gesichter. Ein Gesicht ist mir besonders aufgefallen und auch die Reaktionen, die dieses Gesicht/diese Person „provoziert“. Es handelt sich hier um einen Mann, der vermutlich unter dem Down-Syndrom leidet und ebenfalls zu den Berufspendlern gehört.

Was mich hier echt schockiert ist, dass egal wie voll die S-Bahn auch nur sein mag – der Platz/die Plätze neben/vor ihm (Vierer-Sitzplatz) sind IMMER leer. Leute! Ehrlich jetzt?! Das ist ein Mensch wie jeder Andere auch!

Mein Fazit: Hört auf, in Schubladen zu denken und geht nicht immer vom Äußeren aus! Er ist wirklich sehr nett und kann nichts für seine Situation! Wenigstens hab ich so, aufgrund der Blödheit anderer, einen Sitzplatz…

2. Aussteigen? Nö, hier nicht!

Eine Straßenbahn hat Türen. Diese sind in den meisten Fällen dafür da, Menschen, Tiere und auch Kinderwägen hinein und ob man es glaubt oder nicht, hinaus zu lassen. Wenn die Straßenbahn voll ist, fällt es manchen Menschen verständlicherweise schwer, von ihrem Platz zu weichen um die Ein- oder Aussteigende Tätigkeit zu ermöglichen. In meinem persönlichen Platz 2 bin ich derjenige, der die Straßenbahn verlassen möchte.

Mein Problem: eine kleine Gruppe von Heranwachsenden okkupiert den Platz zwischen mir, der Tür und der Außenwelt.

Nach mehreren, vergeblichen verbalen Bitten, doch zur Seite zu gehen folgte meine Lösung: Die heranwachsende Gruppe durch die (offene) Tür mit in die Außenwelt zu bewegen. Ergebnis: Ich war draußen, die Kinder auch. Ich durfte mich dann noch einige Sprüche gefallen lassen und zog von dannen.

Mein Fazit: Geht doch bitte verdammt nochmal einfach zur Seite ODER steigt kurz mit aus, wenn jemand die Bahn verlassen will! Der Platz, auf dem ihr steht, GEHÖRT nicht euch!

1. Roter Alarm

Beim Finale befinden wir uns in der U-Bahn. Es ist früh am Morgen und manche Menschen sind einfach noch im Zombie-Modus.

Ich stehe am Bahnsteig der U-Bahn und warte auf meinen Zug. Es steht gerade ein Zug am Bahnsteig, den ich nicht benötige, aber er steht halt da…

Um mich herum befinden sich müde Menschen und arbeitende „Aufpasser“ der örtlichen Verkehrsgesellschaft. Die U-Bahn fängt an laute und unüberhörbare Geräusche von sich zu geben. Gleichzeitig leuchten rote Lampen nahe der Türen auf. Die Farbe rot heißt meistens „Stop“ oder „Warnung“.

Ein Mann kommt gerade am unteren Bereich der Rolltreppe an, stellt fest, dass sein Zug am Bahnsteig steht (der bereits Alarmstufe Rot aktiviert hatte) und rennt los. Die Türen schließen, der Mann schließt zur Tür auf. Die Tür befindet sich im geschlossenen Zustand und Mann befindet sich in unmittelbarer Nähe (ca. 1mm) der Tür. Aufgrund einiger physikalischen Gesetze wurde der Mann von der Tür davon abgehalten, in das Innere des Zuges zu gelangen. Es war schon irgendwie lustig…

Mein Fazit: Euer Leben hängt NICHT davon ab, genau DIESEN Zug zu nehmen. Der nächste kommt in 5 Minuten. Versucht es aber BITTE weiterhin, ich möchte zu gerne einen Menschen sehen, der DURCH Türen/Wände gehen kann…

Alle hier genannten Personen, Situationen oder Orte sind entweder frei erfunden oder nicht. Sie haben in jeden Fall dazu beigetragen, dass mein Alltag als Pendler nicht langweilig wird.